Das Berufsbild des Versicherungsberaters

Viele wollen sich so nennen - nur wenige sind es:

Versicherungsberater

Versicherungsberater gehören zu den rechtsberatenden Berufen gemäß § 1 Rechtsberatungsgesetz (RBerG).


Zulassung und Erlaubnis
Dieser Beruf darf nur von einem Versicherungsberater ausgeübt werden, der die Zulassung und Erlaubnis vom zuständigen Amts- oder Landgerichtspräsidenten nach Artikel 1 § 1 Absatz 1 Nr. 2 RBerG erhalten hat.
Vorausgegangen ist eine Prüfung der fachlichen und persönlichen Eignung. Es gelten dieselben Vorschriften wie für vergleichbare Berufe, wie z.B. Rentenberater. Diese Vorschriften entsprechen auch weitgehend den Regelungen zur Berufsaus-
übung und zu den Berufspflichten der Rechtsanwälte.
Im Zuge einer Neuordnung des Rechtsberatungsgesetzes im Jahr 1980 wurde der damalige Beruf des Rechtsbeistandes für Versicherungsrecht, der sich seit dem Jahre 1908 nach Inkrafttreten des Versicherungsvertragsgesetzes entwickelt hatte, für Neuzugänge geschlossen.

Das Bundesverfassungsgericht hob in seiner Entscheidung vom 05. Mai.1987 (NJW 1988, 541) dieses wieder auf und führte hierzu u.a. aus:

"... Ein Versicherungsberater arbeitet vorwiegend aufgrund langfristiger Dienst-
verträge und ersetzt in den Unternehmen die eigene Versicherungsabteilung: er ist die "eingekaufte Versicherungsabteilung des Unternehmens".
Der Versicherungsberater wird beim Zustandekommen der Versicherungsverträge des von ihm vertretenen Unternehmens als Mittler zu den Versicherungs-
unternehmen eingeschaltet. Aufgrund der ihm verbotenen Vermittlungstätigkeit kann seine Beratung objektiv und neutral erfolgen; jegliche Interessenbindung an die Versicherungsgesellschaft ist ausgeschlossen. Der Versicherungsberater muss in der Lage sein, den Versicherungsbestand eines Unternehmens und die dadurch bewirkte Risikoabdeckung voll zu überblicken. Er kann dann bei Bedarf den Versicherungsbestand umstrukturieren und aktuellen Entwicklungen anpassen.
Selbstverständlich ist es für ihn unverzichtbar, die gesamte Preisgestaltung der Versicherungswirtschaft in den verschiedenen Versicherungssparten zu kennen und auch die kleinsten Abweichungen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen jederzeit zu beherrschen. Nur so ist er nämlich in der Lage, für die von ihm Vertretenen nicht nur die bestmögliche Risikoabdeckung, sondern auch die kostengünstigste herbeizuführen. Der Versicherungsberater muss die gesamte Entwicklung des Versicherungsrechts und die Änderungen der Rechtssprechung zu den vielfältigen Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) und zu den möglichen Individualabreden zu diesen AVB kennen. Ebenso muss er über ausreichende technische Kenntnisse verfügen, um bei baulichen Veränderungen etc. neue Risiken erkennen zu können und dementsprechend versichern zu lassen. Nur seine laufende Betreuungsarbeit gewährleistet dem von ihm vertretenen Unternehmen, dass der aktuelle Versicherungsbestand den jeweiligen Erfordernissen entspricht(...)

(...) Rechtsanwälte haben sich - soweit ersichtlich - auf dem Gebiet der Versicherungsberatung bislang kaum bestätigt; nach ihrer Ausbildung haben sie gewöhnlich keinen ausreichenden Überblick über das gesamte Versicherungs-
wesen; sie werden regelmäßig erst bei der rechtlichen Abwicklung konkreter Schadensfälle tätig ..."

..., dass "die Notwendigkeit einer objektiven und von jeglicher Interessenbindung an die Versicherungswirtschaft freien Beratung in Versicherungsfragen vorhanden ist und dieser Beruf auch für die Zukunft erhalten werden müsse."

Dieses Urteil führte zur Wiedereinführung des Versicherungsberaters im Jahre 1989.

Somit ist der Versicherungsberater der einzige Versicherungsexperte, der unabhängig und neutral allein im Interesse des Versicherungskunden beraten kann und darf.

Dass dies weder dem Versicherungsagenten noch dem Versicherungsmakler möglich ist, hat das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen wiederholt festgestellt:

"Eine objektive und unabhängige Beratung in Versicherungsangelegenheiten ist nicht gewährleistet, wenn der Berater zugleich Versicherungsverträge vermittelt und für diese Vermittlung vom Versicherer eine erfolgsabhängige Vergütung erhält."


Tätigkeit
Die Tätigkeit des Versicherungsberaters umfasst die Beratung und außer-
gerichtliche Vertretung gegenüber Versicherern und Dritten
bei der
  • Vereinbarung, Änderung oder Prüfung von Versicherungsverträgen und
  • Wahrnehmung von Ansprüchen aus dem Versicherungsvertrag im Versicherungsfall.

Vergütung
Die Vergütung ist in dem Rechtsanwaltvergütungsgesetz (RVG) geregelt. Im Gegensatz zu allen anderen am Markt tätigen Versicherungsexperten (wie z.B. Außendienstmitarbeitern, Versicherungsvertreter, Versicherungsmakler) erhält der Versicherungsberater also keinerlei Entgelt vom Versicherer, und ist damit unabhängig von Provisionshöhe oder vom Zustandekommen oder Wegfall von Versicherungsverträgen. Anders als bei Versicherungsvermittlern, die ihre Provision unabhängig vom tatsächlichen Arbeitsaufwand regelmäßig jährlich erhalten, fällt die Vergütung für die Versicherungsberatung nur dann an, wenn der Versicherungsberater tatsächlich tätig wird.

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